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Mörderischer Frieden (2007)
Regie: Rudolf Schweiger
Susanne Bormann als: Mirjana Jovovic
In den Hauptrollen: Adrian Topol (Tom Kapielski), Max Riemelt (Charly Berger), Susanne Bormann (Mirjana Jovovic), Damir Dzumhur (Durcan), Anatole Taubman (Enver), Peter Bongartz (Dr. Goran Jovovic), Cornelia Köndgen (Olga Jovovic)
Offizielle Seite IMDB Presseheft (lesenswert, besonders auch die Interviews), Trailer in niedriger und hoher Auflösung
Beim
Einmarsch werden große Hoffnungen in die KFOR-Soldaten gesetzt, dass sie den
lange schwelenden Konflikt im Kosovo zwischen Albanern und Serben endlich lösen
können. Angesichts dessen, dass sich die beiden ethnischen Gruppen dort schon
ewig befeinden - die Albaner haben schon im Verbund mit Hitler gegen die Serben
gekämpft - eine fast hoffnungslose Mission.
Mirjana wird auf offener Straße angeschossen. Die Kugeln waren gezielt und kamen aus einem
Dachgeschoss - abgefeuert von dem kleinen Durcan.
Tom und Charly beobachten den Vorfall. Laut Befehl dürfen
sie nicht eingreifen, schon deshalb nicht, weil ein helfender deutscher Soldat
das nächste Opfer des Heckenschützen werden könnte.
Charly missachtet den Befehl, versucht Mirjana zu retten und wird dabei verletzt.


Mirjanas Zusammenarbeit mit den deutschen KFOR-Soldaten stärkt noch den Hass der
Albaner auf Mirjana. Sie sehen dies als ein Bündnis eines Mörders ihrer
Angehörigen - Mirjanas Vater - mit den "Befreiern", denen sie ohnehin misstrauen. So
werden ebenso wie Mirjana auch die Soldaten selbst zur
Zielscheibe für ihre Anschläge - und sei es im Auto auf offener Straße.
Kurzkritik
Vorab: Wer hinter "Mörderischer Frieden" einen Werbefilm für Auslandseinsätze der Bundeswehr befürchtet, kann beruhigt werden: Alltag und Einsatz der Soldaten im Kosovo werden (anders als in manchen US-Produktionen in denen "unsere Helden" "das Böse besiegen") eher illusionslos und ohne Glorienschein geschildert (vielleicht auch deshalb hielt sich die offizielle Unterstützung der Bundeswehr in Grenzen). Die Bezeichnung "Antikriegsfilm", mit der der Film beworben wird, geht durchaus in Ordnung. Die Bundeswehrsoldaten, die dort - sicher aus verschiedenen Motiven heraus - Dienst tun, sind Menschen, die Fehler machen, die Regeln überschreiten (müssen?), die Gefühle zeigen und die dadurch - im wahrsten Sinne des Wortes - verletzbar sind. Inwieweit im Kosovo wirklich so massive Verstöße gegen die "Dienstordnung" üblich sind und weitgehend sogar folgenlos bleiben, sollte vielleicht besser jemand beurteilen, der selbst dort gewesen ist - sicher ist aber unter Ausnahmebedingungen manches anders als bei der hier stationierten Truppe. Tatsächlich steht nach dem Film auch deutlich die Frage im Raum, ob Missionen im KFOR-Stil zur Beilegung ethnischer Konflikte überhaupt geeignet sind.
Susanne Bormann hat eine sehr schöne Rolle; sie ist nicht nur, wie häufig in Filmen dieser Art (Pearl Harbour...), das "Love Object", das zwei Soldaten unter sich aushandeln. Die Liebesgeschichte findet ohnehin eher am Rande statt und bleibt unprätentiös und ohne schwülstige Gefühlsausbrüche. Stattdessen nimmt die von Susanne Bormann dargestellte Mirjana, nachdem sie von der Verstrickung Ihres Vaters in die Massaker an Albanern erfährt, ihr Schicksal durchaus bewusst selbst in die Hand.
Dass der Film auch einige Klischees aus dem Armeebereich bedient, ist richtig und wäre verzichtbar gewesen. Berechtigt ist - leider - auch die Kritik, dass besonders unter den Bundeswehrsoldaten nicht alle Darsteller so überzeugend und vielschichtig wie Max Riemelt, Adrian Topol und Susanne Bormann agieren. Zumindest teilweise ist dies sicher auch dem Drehbuch anzulasten. Neben den drei Hauptdarstellern eine wirkliche Entdeckung ist sicher Damir Dzumbur, der Darsteller des zwölfjährigen Durcan, der bei seinem Schweigen durch ein beeindruckendes Minenspiel auffällt.
Zur Premiere beim Biberacher Filmfest am 31.10. war das Kino jedenfalls bei beiden Aufführungen ausverkauft. Adrian Kutter, Organisator und "Vater" des Filmfests, betonte bei der Uraufführung, dass er den Film nach Biberach eingeladen hat, weil er ihn persönlich für sehr wichtig hält - und weil seiner Ansicht nach auch handwerklich "einfach alles stimmt". Mörderischer Frieden bekam bei beiden Aufführungen sehr langen Beifall (Adrian Kutter bei der zweiten Aufführung: "So langen Applaus gab es bei den [diesjährigen] Festspielen bislang noch nicht."). Auch die zwischen den Reihen aufgeschnappten Meinungen der Zuschauer (hier einige Kurzinterviews als mp3) waren deutlich positiv. Die anschließenden Fragen konzentrierten sich u.a. auf die Idee zur Story, auf die Entstehung des Films, auf die Drehbedingungen und auf das Verhältnis zu den Einwohnern am Drehort in Sarajewo. Manches dazu kann übrigens auch im Presseheft nachgelesen werden (MB)
Moviesection hat ebenfalls einen lesenswerten kleinen Bericht über das Biberacher Filmfest und besonders die Diskussion zu Mörderischer Frieden
Presse
Die Presse geht mit dem Film - ganz im Gegensatz zum Publikum in Biberach - recht kritisch um. Stellvertretend hier einige Rezensionen:
Cristic.de hat den Film sehr - möglicherweise auch etwas zu sehr - abgewertet: "Der weitere Handlungsverlauf orientiert sich mit seiner wenig überzeugenden Mischung aus Actionelementen und (melo-)dramatischen Einschüben weitgehend an den Konventionen typischer B-Movies."
Programmkino.de hat gleich zwei Rezensionen: "Allein dass sich mit Rudolf Schweiger ein deutscher Regisseur an solch einem Genre-Film versucht, ist bemerkenswert und erfreulich. Allerdings merkt man in vielerlei Hinsicht, dass diese Art von Film im deutschen Kino keine Tradition hat, was die Schwächen umso deutlicher hervortreten lässt."
Highlightzone.de betont dagegen: "Im Gegensatz zu US-Militärspektakeln wird hier weniger mit technischen Geräten geprotzt sondern relativ vielschichtig über den Sinn von Friedensmissionen reflektiert."
Moviesection findet: "Umso verwunderlicher, dass dieses Kriegsdrama auch nicht zu knapp mit witzigen Szenen aufwartet. Immer wieder hat man für kurze Zeit das Gefühl in einer Slapstickkomödie zu sitzen, was so ganz und gar nicht hier reinpassen will."
Auch recht kritisch, aber durchaus lesenswert ist Filmszene.de: "und genau dies möchte der Film ja auch thematisieren: Was es heißt, in einem Krisengebiet eingesetzt zu sein, mit dessen Krise man eigentlich nichts zu tun hat, von der lokalen Bevölkerung oft genug ungewünscht und unverstanden und mit vielen Zweifeln im Kopf, was man hier eigentlich soll."
Filmreporter.de betont: "Die Dimensionen des Problems sind sehr nuanciert dargestellt, indem alle Seiten zur Rede kommen."
Eine sehr fundierte Kritik mit viel Hintergrund, auch zum Kosovo-Konflikt, bietet TELEPOLIS.
Bei Filmplatz.de gibt es einige Videoclips aus Mörderischer Frieden und mit Meinungen von Bundeswehrangehörigen dazu.Seitentitelbild: Kaleidoskop Films
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