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![]() (Oliver Urbanski, Susanne Bormann) |

O zahme, schimpfliche, verhasste Demut!
Die Kunst des Raufens trägt den Sieg davon
(Oliver Urbanski, Andreas Sindermann)

Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern.
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;
(Susanne Bormann, Oliver Urbanski)
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| Reizend lachen und zornig
brüllen Wiederaufnahme von "Romeo und Julia" bei den Freilichtspielen Hall zeigt ein hervorragendes Ensemble |
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| "Warum spielt man dieses Stück heute überhaupt noch?", fragt ein Zuschauer nach der Premiere von "Romeo und Julia" bei den Freilichtspielen. Seine Begleiterin ist fassungslos: "Das ist doch aktuell!" MONIKA EVERLING Schwäbisch Hall Ja, so wie Rosee Riggs das Shakespeare-Drama auf der Großen Treppe vor St. Michael in Schwäbisch Hall inszeniert, hat das Stück wirklich eine sehr hohe Aktualität: Da zanken sich ein paar Jungs auf der Straße - aus Langeweile und um ihr Ansehen aufzumöbeln. Und auf einmal ist einer davon tot. Das fordert Rache; es wird noch viele Opfer geben, bevor die Vernunft siegt. Und wer weiß, wie lange die Waffenruhe dann hält. Auch an den Nebenschauplätzen lauert Aktualität: Als Romeo sich Gift für seinen Freitod kauft, sagt er, das Gold, das er dafür bezahlt, sei "ein schlimmres Gift", das in der Welt "mehr Mord verübt als diese armen Tränkchen". Und kaum hat der Apotheker das Gold empfangen, wird er schon von irgendeinem dahergelaufenen Dieb erschlagen. Die Liebesgeschichte zwischen Romeo und Julia wirkt daneben naiv; aber so ist es nun mal, wenn eine knapp Vierzehnjährige sich Hals über Kopf verliebt. Die Haller Interpretation des Stoffs profitiert einmal mehr von der phänomenalen Kulisse der Treppe. Den allergrößten Anteil an der Faszination, die von der Aufführung ausgeht, haben aber die hervorragenden Schauspieler, allen voran Susanne Bormann als Julia. Es ist nahezu unglaublich, wie gut es ihr gelingt, die Stimmungslagen des jungen Mädchens darzustellen. Sie ist mal ein ganz verspieltes, übermütiges Kind, mal eine verzweifelte, sich von aller Welt allein gelassen fühlende Jugendliche, mal eine mutige, entschlossene Frau. Susanne Bormann kann reizend lachen und zornig brüllen. Sie scheint in der Rolle zu leben, das steckt an: Man fiebert mit dieser Julia, man leidet mit ihr, man bewundert ihre Kraft. Eine fast ebenso große Ausstrahlung hat Saskia von Winterfeld als Julias trampelhafte, bauernschlaue Amme. Sie hat großen Anteil an den komödienhaften, deftig-volkstümlichen Elementen, die Rosee Riggs zu Beginn sehr großzügig, später sparsamer einstreut. Darin ist Saskia von Winterfelds Amme oft grobschlächtig, doch im Umgang mit Julia kann sie auch sehr zart sein. Oliver Urbanski scheint sich in die Rolle des Romeo erst noch einfinden zu müssen. Zu Beginn wirkt er charakterschwach - doch das ändert sich. Urbanskis Darstellungskunst steigert sich im Lauf des Abends. So beeindruckt er nicht nur mit seinem unendlich lang erscheinenden Klimmzug, der das Publikum weit mehr zum Raunen bringt als der innige Kuss, den Romeo und Julia sich dabei geben, sondern auch mit seiner Sicherheit, mit der er sich auf der Treppe bewegt, und letztlich mit Glaubwürdigkeit. Ihm mindestens ebenbürtig in der Bühnenpräsenz und Überzeugungskraft sowie der Fechtkunst sind Jannik Büddig und Andreas Sindermann als Romeos Freunde Benvolio und Mercutio sowie Jannek Petri als ihr Gegner Tybalt. Auch Björn-Ole Blunck gefällt in der Rolle des glücklosen Grafen Paris, der Julia umwirbt und hilflos ihren Tod erleben muss. Die Schauspielerin Julia Amme spielt die unglückliche Gräfin Capulet, die um den toten Neffen Tybalt trauert wie um einen Geliebten und sich in den Alkohol flüchtet. Ihr Gatte, Julias Vater, wird dargestellt von Erol Ünsalan, der ganz kurzfristig für den verletzten Maximilian Löser-Hügel einsprang. Erol Ünsalan fügt sich ausgezeichnet in das überzeugende Ensemble ein, nur seine Schritte auf der Treppe sind bei der Premiere noch etwas unsicherer als die der Kollegen. Nicht zuletzt ist Andre Kudella als Bruder Lorenzo zu erwähnen. Lorenzo ist ein Ränkeschmieder; er ist es, der immer wieder die Handlung vorantreibt. In seinem Monolog über Fluch und Segen der Heilkräuter wirkt Kudella dozierend, doch in seinem Zorn über Romeos Treulosigkeit ist er lebensecht. Sparsam, aber sehr effektvoll setzt die Inszenierung Musik (musikalische Leitung: Michael Kessler), Ausstattung (Bühne: Thomas Lorenz-Herting; Kostüme: Isabel Kork) und Lichteffekte ein. So ist das Publikum nach fast drei Stunden Aufführung zu kräftigem Beifall bereit. Und die Aktualität des Stücks werden nur wenige der Premierengäste in Frage stellen. |
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| Erscheinungsdatum: Montag 30.06.2008 Quelle: http://www.hallertagblatt.de/ HALLER TAGBLATT online - Copyright 2008 Zeitungsverlag Schwäbisch Hall GmbH Alle Rechte vorbehalten! Hier die Rezension als pdf-Datei zum Download. Weiterhin bietet das Haller Tagblatt auch dieses Jahr wieder einige Zeit eine frei zugängliche Bildergalerie mit Fotos von Ufuk Arslan an. Herzlichen Dank an das Haller Tagblatt für die Genehmigung der Rezension für Susanne-Bormann.info. |
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Eine
weitere, von Ralf Snurawa verfasste Rezension zu Romeo und Julia
unter dem titel "Gewalttäter wider Willen" in Schwäbisch Hall ist am
11.7 im Hohenloher Tagblatt Crailsheim erschienen. Sie kann mit
Klick auf das Bild oder
hier als .pdf-Datei heruntergeladen werden.